Fachbereich Geschichte / Politische Bildung
Geschichte hautnah
Momentan beschäftigen wir uns im Geschichtsunterricht mit der deutschen Geschichte nach 1945, der Zeit der Besatzungspolitik und des kalten Krieges. Aus diesem Grund haben sich unsere Geschichtslehrerin Frau Schaar und unsere Lehrerin im Fach Politische Bildung Frau Sommerfeld dafür entschieden, eine Exkursion in die Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen mit uns zu machen. Dadurch hatten wir die Möglichkeit, mit Zeitzeugen ins Gespräch zu kommen und uns vor Ort mit der Geschichte dieses ehemaligen Staatssicherheits-Gefängnisses auseinanderzusetzen.Schon wenn man vor den großen, imposanten Gefängnismauern steht, bekommt man ein komisches Gefühl, eine Mischung aus Beklemmung und Neugierde. Als erstes wurde unsere Klasse in einen Seminarraum geführt, in welchem wir von unseren zwei Leitern (Herrn Harfst, einen Geschichtslehrer und Herrn Arndt, einen Zeitzeugen, der uns durch das Gelände führen sollte) begrüßt wurden und erhielten von Herrn Harfst eine kurze Einführung in die Zeit Deutschlands nach 1945 und die Geschichte der DDR, Stichwort Staatssicherheit. Denn kurz darauf kam auch Herr Arndt, welcher selbst 7 Monate in Untersuchungshaft und 2 Jahre im Zuchthaus verbracht hatte, auf sein Leben und den Grund, weshalb er selbst zu Zeiten der DDR hier in Haft war, zu sprechen. Aufgrund seiner vielen Ausreiseanträge wurde er von der "Stasi" überwacht und schließlich wegen "Fluchtversuches" inhaftiert. Herr Arndt gab uns außerdem einen kurzen Überblick auf die Geschichte der heutigen Gedenkstätte, welche als ehemaliges Industriegebiet 1945 durch die Sowjets beschlagnahmt wurde und als Haftlager gedient hatte, um 1951 als Gefängnis der Staatssicherheit genutzt zu werden.
Nach dieser Einführung begann die Führung durch das Gelände. Wir gingen durch das sogenannte "U-Boot", einen Gefängniskeller, der die Inhaftierten völlig von der Außenwelt abschirmen sollte. Unser Rundgang begann in einer ehemaligen Zelle und wir bekamen einen Einblick, welchen schlimmen, unmenschlichen Bedingungen die Inhaftierten ausgeliefert waren und wie sie zusammengepfercht für mehrere Tage, Wochen, Monate, wenn nicht sogar Jahre in winzigen Zellen eingesperrt wurden. Es war furchtbar zu hören, wie die Gefangenen jegliches Zeitgefühl und viele auch den Verstand verloren haben. Er erzählte uns außerdem von den grausamen Foltermethoden, die die Sowjets und auch die Stasi angewandt hatten, nur um ein Geständnis, von ihren Opfern zu hören. Schon als wir nur für 15 Minuten in der einen Zelle standen, bekam ich Platzangst, allein bei der Vorstellung hier eingesperrt zu sein, wurde mir mulmig. Nachdem wir zu den "Gummizellen" für aufmüpfige Gefangene gegangen waren, ging es in den "Neubau", indem sich die "normalen" Zellen befanden. Herr Arndt schilderte uns erschreckend bildlich, mit welcher Gewalt und Demütigung die Inhaftierten behandelt und wie sie des Schlafes beraubt wurden, sodass sie völlig psychisch gebrochen alles unterschreiben sollten.
Wir sahen auch die Räume, in denen die zahlreichen Verhöre der Stasi statt fanden, mit welch üblen Tricks und Rollenspielen die Beschuldigten in die Falle getrieben wurden. Herr Arndt führte uns gespielt vor, mit welch barschem Ton diese Art von Verhören, die oft stundenlang gingen, geführt wurden, sodass einem Angst und Bange wurde. Und das alles erzählte er aus eigener Erfahrung, was ich als besonders erschreckend empfand. Zum Abschluss der Führung kamen wir noch zu den "Tigerkäfigen", den Auslaufhöfen, in denen sich ein einzelner Gefangener für höchstens 30 Minuten an frischer Luft aufhalten konnte. In diesen "Käfigen" durfte man weder singen, sprechen, sich hinsetzten noch husten und man musste mindestens eine Armlänge Abstand zur Gefängniswand haben. Dies alles war für mich unvorstellbar grausam, dass ich mir gar nicht erst vorstellen mochte, welche Qualen die Inhaftierten erleiden mussten.
Am Ende unserer Exkursion fand eine Gruppenarbeit statt, in der wir uns in verschiedenen Gruppen noch einmal mit zahlreichen Themen unserer Führung auseinandersetzen sollten. Diese Gruppenarbeit haben wir ganz am Ende des Wandertages vorgestellt.
Für uns war diese Exkursion überaus wichtig, desillusionierend und erschreckend, da wir hautnah miterleben konnten, unter welchen Bedingungen die Gefangenen festgehalten wurden. Solche Gedenkstätten tragen dazu bei, dass Geschichte nicht in Vergessenheit gerät oder verfälscht wird.Tabea Süßmuth, Klasse 10l
